Sanderling

Sanderlinge sind auf Langeoog ganzjährig anzutreffen; allerdings sind die lerchengroßen Vögel recht scheu. Findet man Sie im Sommer überwiegend in den abgesperrten Ruhezonen am Flinthörn, so wagen sie sich im Winter auch manchmal an den Hauptstrand. Dort sind sind sie fast immer in kleinen Gruppen unterwegs. Ich mag sie gern, weil sie zum Einen allerliebst piepen und zum Anderen stets geschäftig am Flutsaum hin- und herrennen, was ihnen von mir den Kosenamen „Strandflitzpiepen“ eingebracht hat.

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Je suis Charlie (Papageientaucher)

„Geflügel mit Worten“ ist kein politischer Blog. Auch verstehe ich mich in erster Linie als Schriftsteller und nur nebenbei als Zeichner. Dennoch ist es für mich unfassbar, wie eine so harmlose, ja geradezu unschuldige Beschäftigung wie das Zeichnen ein potentiell lebensbedrohlicher Akt sein kann. Und ich trauere unbekannter Weise um die Menschen in Paris, welche ihre Begabung und Berufung zum Zeichnen zum Beruf gemacht hatten — und das aufgrund des religiösen Wahns Einzelner mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Es gibt viele talentierte Künstler, aber kein Zeichner ist wirklich ersetzbar. Zeichnungen sind individuell wie Handschriften: Manche haben eine Sauklaue, manche sind geborene Kalligraphen. Aber alle haben etwas ganz Eigenes, das auch kein noch so talentierter Mensch reproduzieren kann. Und so ging mit den Menschen von Charlie Hebdo nicht nur wertvolles Menschenleben, sondern auch unersetzbare Kunst für immer verloren.

Den Papageientaucher wählte ich für den Protestsatz „Ich bin Charlie“, weil die Vögel auch als „Charlie-Chaplin-Vögel“ bekannt sind; des clownesken Aussehens wegen. Was wiederum zu einer Satirezeitung passt. Aber natürlich gilt diese Zeichnung auch dem Gedenken an die ermordeten Menschen in dem jüdischen Geschäft und den ermordeten PolizistInnen.

R.I.P.

jesuis papageientaucher

Schneehühner

… und die Frage: „Was war zuerst da — das Huhn oder die Geschichte?“ Auf jeden Fall war es im eisigen Berliner Winter 2013/14, als meine nette Schwedischlehrerin Franziska uns die Aussprache der Stadt „Kiruna“ beibrachte, bei der das „K“ wie „unser“ K ausgesprochen wird, und nicht mit dem üblichen „ch“-artigen Laut wie in „Köttbullar“ (IKEA) oder „Kärlek“ (LIEBE). Grund ist, dass es sich bei Kiruna um ein Lehnwort aus dem Samischen handelt: Der Stadtname geht auf Girón zurück, was Schneehuhn bedeutet. Folglich hat die nordschwedische Stadt Kiruna in der Provinz Norbotten (historisch: Lappland) auch ein Schneehuhn als Wappentier. Auch wenn die Stadt aufgrund des weltgrößten Eisenerzbergwerkes wohl eher hässlich und obendrein arschkalt ist, sympathisiere ich daher natürlich in gewisser Weise.

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Strandläufer

Ich zeichnete diesen kleinen Strandläufer, mit seinem Schatten als einzigen Gefährten, als ich sehr traurig war, jemanden vermisste und so müde war, dass ich nicht schlafen konnte. Ich hätte auch extra ein lustiges und niedliches Tier zeichnen können, aber manchmal hilft es eher, wenn jemand im Wortsinne mit-leidet. Oder man das eigene Leid wenigstens in seiner Kunst zum Ausdruck bringen kann.

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Grauspecht

Grauspechte sind extrem selten und kommen am Häufigsten in der Ostpaläarktis vor, sind aber quer durch Europa bis hinunter nach Sumatra zu finden — in eher höheren Lagen mit dem Schwerpunkt auf Nadelwälder. In der Norddeutschen Tiefebene oder auf den Britischen Inseln kommt er gar nicht vor, d.h. die Chancen, dass ich jemals einen in Natura zu sehen bekomme, sind gering. Allerdings war ich von der schönen Farbgebung dieses eher zierlichen Spechtes so angetan, dass ich ihn dennoch zeichnen wollte — selbst wenn man auf meinen Zeichnungen von der Farbe ohnehin nichts sieht.
Ich zeichnete ihn an einem Tag, an dem ich nicht gerade vor Selbstbewusstsein strotze und mich überdies beiseite gestellt fühlte — der trotzig erhobene Kopf des Grauspechts mit dem entschlossenen Ausdruck darin stand also stellvertretend für das, was ich an diesem Tag gebraucht hätte, aber nicht zu fühlen vermochte.

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Steinschmätzer

Ein Steinschmätzer war der erste mir bis dato unbekannte Vogel, der mir im Rahmen der wunderbaren Zugvogeltage auf Langeoog erklärt wurde. Wir (oder besser: Unser Ornithologe) entdeckte(n) ihn auf einer Weide kurz vor dem Deichschart. Leider sind die niedlichen Viecher vom Aussterben bedroht. Auf Langeoog sahen wir aber zum Glück nicht nur ein einziges Exemplar dieser Art.
Steinschmätzer gehören zur Familie der Fliegenschnäpperartigen und sind ungefähr Drosselgroß.

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Wiesenschafstelze

Tatsächlich ist das mein erster Vogel aus der Familie der Stelzen und Pieper. Als Kind des Ruhrgebiets sind einem ja maximal Laubenpieper bekannt; aber die sind etwas größer und in der Regel nicht so hübsch.
Schafstelzen ernähren sich hauptsächlich von Fliegen und anderen Kleininsekten, die von Weidevieh aufgescheucht werden, weshalb sie oft in trauter Eintracht mit diesem auf Wiesen zu finden sind. Beim Umherhüpfen wippen sie auffällig mit dem Schwanz, was ihnen den englischen Namen „wagtail“ einbrachte.
Bei der Wiesenschafstelze geriet ich fast in Versuchung, einmal in Farbe zu zeichnen: Die Tiere besitzen ein wirklich hübsches Gefieder in Gelb-, Grün- und Blaugrau-Tönen.

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Schwanzmeise

Die Schwanzmeise (Aegithalos caudatus) ist ein kleiner Sperlingsvogel aus der Familie der Schwanzmeisen. Ihren Namen verdankt sie dem langen Schwanz, der ihr ein präzises Ausbalancieren auch auf den äußeren Enden feiner Zweige ermöglicht, auf denen sie vorrangig ihre Nahrung sucht. Im Winter kann man Schwanzmeisen aber auch manchmal an Futterstellen beobachten. Sie sind jedoch viel seltener als die allgegenwärtigen Kohl- oder Blaumeisen.
Je nach Unterart haben Schwanzmeisen unterschiedliche Maße und Proportionen; allen gemein ist aber der namensgebende lange Schwanz.
Hier turnt eine Schwanzmeise auf einem Weidenkätzchenzweig — noch eine Pflanze, die ich sehr gerne mag. Im Winter nutze ich die flauschigen Zweige gern als Grabschmuck oder stecke sie zuhause in eine Vase: Hält ewig. Ich möchte allerdings niemanden erwischen, der oder die diese Zweige in der Natur abrupft: Weidenkätzchen stehen unter Naturschutz.

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Wintergoldhähnchen

Das Wintergoldhähnchen ist der Kolibri unter unseren Singvögeln. Er ist mit seinen kaum 9 Zentimetern Körperlänge der kleinste Vogel Europas und wiegt nur vier bis sieben Gramm — weniger als ein Brief. Ich habe leider noch nie eines in der Natur gesehen.  Oder ich habe es übersehen: Denn Wintergoldhähnchen sind nicht nur winzig, sondern singen auch so hoch, dass ihr Ruf für menschliche Stimmen oft nicht einmal wahrnehmbar ist.
Die niedlichen Vögel sind ausschließlich in Nadelwäldern zu finden; bevorzugt auf Fichten und anderen kurznadeligen Gehölzen. die weiche Kiefer hier auf dem Bild ist ergo künstlerische Freiheit, weil ich Kiefern sehr gern mag: Sie zählen neben Trauerweiden zu meinen Lieblingsbäumen.

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