Wacholderdrosselküken II

Dieses Küken zeichnete ich als Auftragsarbeit anlässlich der Geburt eines Enkelkindes. Es sitzt in einer Wiese und schaut noch etwas skeptisch in die Welt; den Schnabel natürlich hungrig aufgesperrt. Einerseits wirkt es noch schutzbedürftig, andererseits sieht man aber auch schon einen eigenen Charakter. Ich wünsche dem neuen Erdenbürger ein gesegnetes Leben und den Mut, immer er selbst zu sein — ohne dabei die Mitmenschen aus den Augen zu verlieren.

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Papageitaucher mit Blume

Diesen Papageitaucher (bei uns setzt sich, so scheint es, auch zunehmend die englische Bezeichnung „Puffin“ durch) zeichnete ich für eine Freundin, die diese Tiere sehr mag. Da die Zeichnung sie aufmuntern sollte, ließ ich den Vogel noch eine Blume überbringen, eine wilde Lilienart. Auf Langeoog kommen diese hübschen Tiere leider Gottes nicht vor, nicht einmal bei sehr stürmischem Westwind … Sie einmal irgendwo in freier Natur zu sehen, wäre natürlich ein Traum. Denn, seien wir ehrlich — wer liebt die drolligen Viecher denn nicht?

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Schneeeule

 

Diese Studie einer Schneeeule wurde verkauft, kaum, dass ich den Griffel hinlegte. Das ist einerseits natürlich sehr erfreulich — andereseits vergaß ich darüber, sie ordentlich einzuscannen. Daher nur dieses Bild von meinem Schreibtisch und der Eule „in Progress“, die nun schon unterwegs in ihr neues Heim ist.

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Dompfaff

Nachdem ich nun fast zwei Jahre nichts mehr gezeichnet hatte, wurde ich auf Grund eines bezahlten Auftrages quasi genötigt, wieder damit anzufangen. Um wieder in die Materie zu kommen, fing ich aber nicht direkt mit dem Auftrag an (die Frustrationsgefahr wäre zu hoch), sondern nahm mir erst einmal ein paar Vögel meiner Wahl vor, die mir besonders am Herzen liegen. Der Dompfaff, könnte man meinen, ergibt sich zwangsläufig aus der Konversion zur Römisch-katholischen Kirche, aber tatsächlich mag ich die hübschen Tiere, die anderswo auch „Gimpel“ heißen, auch aus anderem Grund: In der Tanne vor meinem Kinderzimmerfenster hielt sich sehr oft ein Dompfaff auf. Fand ich schon den Baum an traurigen Tagen schon immer tröstlich, so heiterte mich das rotbäuchige Vögelchen erst Recht auf, wenn ich als Kind aus dem Fenster sah.
Auf Langeoog habe ich leider noch nie einen gesehen.

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Storch

Nachdem ich mit dem Zeichnen fast ein Jahr pausiert hatte — Schreiben ging vor — gab es am Freitag einen erfreulichen Grund, wieder damit anzufangen: Die Geburt des kleinen Thies. Ich zeichnete diesen Storch als Geschenk für seine Eltern, zumal vermutet wird, dass die Legende über kinderbringende Störche ihren Ursprung in Norddeutschland hat. Sie entstand wahrscheinlich Anfang des 18. Jahrhunderts; ihre genaue Herkunft ist ungewiss. Verbreitet ist die Version, dass der Storch die werdende Mutter ins Bein beißt, damit sie sich hinlegen muss, und dann den Säugling aus einem Brunnen holt, um ihn zur Mutter ins Kindbett zu bringen. Freudianer sehen im dem Storchenschnabel dabei ein Phallussymbol und im Brunnen eine Parallele zum Mutterschoß, aber so genau wollen wir das an dieser Stelle gar nicht wissen; es nähme der Legende doch zuviel ihrer  Unbeschwertheit. Ich zeichnete den Storch indes nicht als bissigen, unheimlichen Phallusträger, sondern mit beschützend ausgebreiteten Flügeln und liebevoll-behütendem Blick.

Dem Neu-Insulaner Thies wünsche ich ein Leben mit möglichst wenig Leid, die Herausbildung eines guten Charakters und vor allem natürlich Gesundheit.

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Sanderling

Sanderlinge sind auf Langeoog ganzjährig anzutreffen; allerdings sind die lerchengroßen Vögel recht scheu. Findet man Sie im Sommer überwiegend in den abgesperrten Ruhezonen am Flinthörn, so wagen sie sich im Winter auch manchmal an den Hauptstrand. Dort sind sind sie fast immer in kleinen Gruppen unterwegs. Ich mag sie gern, weil sie zum Einen allerliebst piepen und zum Anderen stets geschäftig am Flutsaum hin- und herrennen, was ihnen von mir den Kosenamen „Strandflitzpiepen“ eingebracht hat.

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Je suis Charlie (Papageientaucher)

„Geflügel mit Worten“ ist kein politischer Blog. Auch verstehe ich mich in erster Linie als Schriftsteller und nur nebenbei als Zeichner. Dennoch ist es für mich unfassbar, wie eine so harmlose, ja geradezu unschuldige Beschäftigung wie das Zeichnen ein potentiell lebensbedrohlicher Akt sein kann. Und ich trauere unbekannter Weise um die Menschen in Paris, welche ihre Begabung und Berufung zum Zeichnen zum Beruf gemacht hatten — und das aufgrund des religiösen Wahns Einzelner mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Es gibt viele talentierte Künstler, aber kein Zeichner ist wirklich ersetzbar. Zeichnungen sind individuell wie Handschriften: Manche haben eine Sauklaue, manche sind geborene Kalligraphen. Aber alle haben etwas ganz Eigenes, das auch kein noch so talentierter Mensch reproduzieren kann. Und so ging mit den Menschen von Charlie Hebdo nicht nur wertvolles Menschenleben, sondern auch unersetzbare Kunst für immer verloren.

Den Papageientaucher wählte ich für den Protestsatz „Ich bin Charlie“, weil die Vögel auch als „Charlie-Chaplin-Vögel“ bekannt sind; des clownesken Aussehens wegen. Was wiederum zu einer Satirezeitung passt. Aber natürlich gilt diese Zeichnung auch dem Gedenken an die ermordeten Menschen in dem jüdischen Geschäft und den ermordeten PolizistInnen.

R.I.P.

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Schneehühner

… und die Frage: „Was war zuerst da — das Huhn oder die Geschichte?“ Auf jeden Fall war es im eisigen Berliner Winter 2013/14, als meine nette Schwedischlehrerin Franziska uns die Aussprache der Stadt „Kiruna“ beibrachte, bei der das „K“ wie „unser“ K ausgesprochen wird, und nicht mit dem üblichen „ch“-artigen Laut wie in „Köttbullar“ (IKEA) oder „Kärlek“ (LIEBE). Grund ist, dass es sich bei Kiruna um ein Lehnwort aus dem Samischen handelt: Der Stadtname geht auf Girón zurück, was Schneehuhn bedeutet. Folglich hat die nordschwedische Stadt Kiruna in der Provinz Norbotten (historisch: Lappland) auch ein Schneehuhn als Wappentier. Auch wenn die Stadt aufgrund des weltgrößten Eisenerzbergwerkes wohl eher hässlich und obendrein arschkalt ist, sympathisiere ich daher natürlich in gewisser Weise.

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Strandläufer

Ich zeichnete diesen kleinen Strandläufer, mit seinem Schatten als einzigen Gefährten, als ich sehr traurig war, jemanden vermisste und so müde war, dass ich nicht schlafen konnte. Ich hätte auch extra ein lustiges und niedliches Tier zeichnen können, aber manchmal hilft es eher, wenn jemand im Wortsinne mit-leidet. Oder man das eigene Leid wenigstens in seiner Kunst zum Ausdruck bringen kann.

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