Flut

Auf Langeoog ist das Wetter schön. Regen fällt in dem Maße, wie die Natur es gerade braucht, um ihre Farbenpracht zu erhalten und um die Hagebutten und Äpfel prall und rund werden zu lassen. Die Feriensaison ist in vollem Gange; die Strandkörbe stehen ebenso dicht gedrängt wie die Autos auf dem Parkplatz in Bensersiel, der Fahrradverkehr stockt, die Abstellplätze quellen über. Das Meer plätschert in harmlosem Babyblau vor sich hin. Die Gewalt des Wassers ist kaum zu erahnen.

„Lass uns nach Neviges fahren“, schlug ich der Freundin beim letzten Besuch in meiner Heimatstadt vor, „in diesem Stadtteil gibt es wunderschöne alte Bergische Fachwerk- und Schieferhäuser und zauberhafte kleine Antik- und Devotionalienläden. Und nach Langenberg! Ich kenne dort ein schönes Café, der Bach fließt mittendurch, es ist wirklich idyllisch. Die Gebäude stammen zum Teil noch aus dem 16. Jahrhundert. Fensterläden mit Geranien davor. Wunderbare alte Laternen und Geländer aus Gusseisen. Haustüren mit Messingklopfern. Enge, malerische Gassen.
Aber dann waren zu viele andere Dinge auf der Urlaubs-Agenda, und wir schafften die Stadtteile nicht mehr.

Jetzt hat der Bach die schönen Fachwerkhäuser auseinandergerissen. In einem Fernsehbeitrag sehe ich die Stühle des schönen Cafés im Schlamm. Auch die Blumenkästen mit den Geranien liegen da. Alles ist zerstört. Menschen weinen, die den Dialekt meiner Heimat sprechen.

Auch andere Teile der Republik hat es schlimm erwischt. Eine Freundin sieht ihr Geburtshaus in der Eifel aus den Fluten ragen. Vielleicht wird es zerbrechen, wie so viele andere Häuser, Leben, Träume, Existenzen. Über 100 Menschen sind tot, Hunderte vermisst.
In diesem Sommer erschüttert eine Naturkatastrophe fürchterlichen Ausmaßes das Land und es ist schwer, zwischen all der Ferienidylle vor der Wohnungstür und den schrecklichen Bildern im Fernsehen und in den Zeitungen hin- und herzuschalten.

Immerhin: Die Solidarität und Hilfsbereitschaft ist riesig. Hotels bieten obdachlos gewordenen Menschen kostenfrei Unterbringung an. Baufirmen stellen ihre Fahrzeuge zum Schutträumen zur Verfügung. Unzählige ehrenamtliche Feuerwehrleute, Seelsorger:innen, Sanitätsfachkräfte und Privatleute sind im Einsatz. Natürlich auch THW, DRK, Bundeswehr und alles, was sich mobilisieren lässt. Die Kirchen schicken Geld und Trost, auch auf Langeoog finden etliche Sammel- und Benefizaktionen statt.

Dass einige Unverbesserliche das Elend nun für Wahlkampf instrumentalisieren, für Ideologie aus dem Elfenbeinturm oder für die eigenen Eitelkeiten: Geschenkt. Es verdient keine Aufmerksamkeit — zumindest nicht vor der Wahl. Dass Betrüger:innen mit Spenden durchbrennen: Widerlich. Aber darum soll sich der Herrgott kümmern, wenn diese Leute einst vor ihm stehen.

Für mich sind all diese Bilder und Nachrichten schwer erträglich. Auch der Eifelkreis, in dem ich meinen letzten Herbsturlaub verbrachte, ist schwer getroffen. Der wunderschön glitzernde, kristallklare Fluss mit seinem damals noch so beruhigenden Gurgeln und Glucksen: eine schlammbraune Todesfalle. Die zerstörerische Gewalt von Wasser.
Seit eine liebe Freundin und Redaktionskollegin im Tsunami von 2004 während ihres Thailand-Urlaubs starb, mache ich mir keinerlei Illusionen mehr darüber. Und dennoch schockt es mich immer noch, all diese Trümmer zu sehen und das Leid.

Währenddessen muss ich auf Langeoog dennoch im Ferienmodus funktionieren, ohne zu wissen, wer von den Urlaubenden aus NRW, aus Rheinland-Pfalz, nach seiner Rückkehr noch ein Zuhause hat. Ohne zu wissen, wann meine Eltern ihr Trinkwasser nicht mehr abkochen müssen.
„16 Stunden Sonnenschein sind vorhergesagt, ideale Bedingungen für lange Radtouren und romantische Strandspaziergänge.“
Vor den Strandkörben lacht ein Hochzeitspaar, bunte Drachen steigen in den leuchtend blauen Himmel.
Woanders treiben Familienfotos durch das Hochwasser. Vor den Trümmern eines Hauses liegt ein schlammverkrustetes Kuscheltier.


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Liebe Leser:innen, bitte spendet im Rahmen Eurer Möglichkeiten für die Flutopfer und/oder erkundigt Euch über sinnvolle praktische Hilfsmöglichkeiten. Vergelt’s Gott! Ich werde selbstverständlich auch einen Beitrag leisten und nicht nur Prosa draus machen. Sonst wäre ich ja nicht besser als z.B. einige Personen aus der Politik, die diese Katastrophe für Eigeninteressen ausschlachten.

Mit Geld helfen kann man z.B. hier:

Spendenkonto des Deutschen Roten Kreuzes IBAN: DE63 3702 0500 0005 0233 07 Stichwort: Hochwasser

Spendenkonto Aktion Deutschland Hilft IBAN: DE62 3702 0500 0000 1020 30 Stichwort: Hochwasser Deutschland

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Danke, 2020

Statistisch war 2020 für „Geflügel mit Worten“ das zweitbeste Jahr seit Gründung des Blogs. Ich habe zu Danken! Wem meine Geschichten gefallen: Bitte Bücher kaufen, Bücher empfehlen, Bücher wohlwollend rezensieren etc., denn nach wie vor verdiene ich mit dem Blog gar nichts und als angestellter Teilzeit-Redakteur nicht viel. Wie alle Menschen, die auf (Zusatz-)Einkünfte aus freier künstlerischer Tätigkeit angewiesen sind, war das Jahr 2020 für mich nicht leicht, da viele zusätzliche Werbe- und Verkaufsmöglichkeiten wie Lesungen und Marktstände komplett ausfielen. Natürlich wäre es schöner, nur von Luft, Liebe und Inspiration leben zu können — aber da das bekanntlich nicht geht, danke ich besonders den LeserInnen, die Verständnis dafür haben, dass auch Schriftsteller alle üblichen Alltagsrechnungen zu bezahlen haben, und die mich durch den regulären Kauf meiner Bücher und Printprodukte auch finanziell unterstützen. Denn nur so ist es mir wiederum möglich, weiterhin kostenfreie Inhalte auf diesem Blog bieten zu können. Wer „Geflügel mit Worten“ einfach nur so unterstützen möchte, kann das gerne via PayPal tun.
*** Vergelt’s Gott! ***

Danke für 500 Fans auf facebook …

Moin,

heute konnte ich den 500. Fan auf meiner facebook-Autorenseite begrüßen, die ich, wie auch dieses Blog, ohne jede bezahlte Werbung betreibe. Daher bin ich auf die halbe Tausend schon ein wenig stolz — und möchte auch die WordPress-LeserInnen daran teilhaben lassen.

Wer bei facebook ist, kann ja mal vorbeischauen:
https://www.facebook.com/gefluegelmitworten.momentaufnahmen/

Bildschirmfoto 2020-05-30 um 21.56.00

 

Silvestergrüße

*** DANKE ***

Liebe Leserinnen und Leser,

Dank Ihnen und Euch konnte ich mein Blog „Geflügel mit Worten“ auch in diesem Jahr am Leben erhalten und auch einen neuen Band „Momentaufnahmen“ produzieren. Das Blog geht nun ins 6. Jahr und schließt mit rund 7000 Aufrufen. Das ist genauso viel wie 2018 und 2017 — nicht weniger, aber über mehr würde ich mich natürlich auch freuen. (Ich verdiene mit dem Blog nichts, aber es sichert mir Reichweite bei Suchmaschinen und macht meine Bücher bekannter. Daher Danke für jeden Aufruf!)

Die bisherigen Verkäufe von Band 6 sichern mir dafür immerhin ganz greifbar eine komfortable und umweltschonende Schlafwagenfahrt nach Österreich: Im Gegenzug werden sich in Band 7 dann wohl einige Geschichten aus dem Wienerwald finden … ich bin sehr gespannt, denn es ist meine erste längere und weitere Reise seit rund 15 Jahren. Ohne das Zubrot durch die Buchverkäufe hätte ich nicht fahren können.
Ich bin sehr dankbar dafür, das Menschen Zeit und Geld in meine Kunst investieren, denn müsste ich dabei draufzahlen, könnte und würde ich all das nicht machen.

Wann es mit dem Zeichnen weitergeht, kann ich leider nicht sagen, da meine Finger- und Handgelenke aufgrund einer Gichtneigung zunehmend schnell ermüden und schmerzen. Deshalb muss ich leider Prioritäten setzen und mit der Kraft, die in den Händen bleibt, in Erster Linie das tun, was mir den Lebensunterhalt sichert: Schreiben.

Ich freue mich auf ein neues Jahr mit Euch/Ihnen — herzlichen Dank für die Unterstützung meiner Kreativarbeit!

Kommen Sie gut und gesund ins neue Jahr mit Gottes reichem Segen.

Ihr/Euer

Mayk D. Opiolla

Danke ans wetterfeste Publikum!

Moin!

Kalter, strömender Regen, Sturm … zugegeben: Ich hatte Befürchtungen, dass bei diesem Sauwetter gar niemand kommt, zumal ja der Prophet bekanntlich auch nichts im eigenen Land gilt. Letztlich kamen am Freitagabend aber doch immerhin 10 Menschen zu meiner Lesung, die sich als ideales Publikum entpuppten. Alle kauften im Anschluss mindestens ein Buch (einige kauften sogar mehrere), niemand hat dazwischengesabbelt und ich bekam wundervolles Feedback. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Es kommt also nicht unbedingt auf die Quantität an! Von den Gästen kannten übrigens nur zwei meine Texte vorher, der Rest war durch Plakate und Ankündigungen im Internet neugierig geworden.

Hier der Nachklapp vom heutigen Tage in der Lokalpresse:

https://www.langeoognews.de/langeoog-aktuell/aktuelles/der-sturm-aber-laesst-sich-nicht-zaehmen/

Die nächste Lesung ist am 21.Dezember (jetzt Freitag) in Carolinensiel, herzliche Einladung!
(19:00 Uhr, Gulfhof Friedrichsgroden.)

 

(Fotos: Dr. Klaus Kremer, Langeoog News.)

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„Geflügel mit Worten“ feierte Geburtstag

Am 21. März war es soweit: Mein Blog feierte Jubiäum. Seit 5 Jahren poste ich hier Zeichnungen, Prosa und Gedichte und erfreue mich einer sehr treuen, kontinuierlich wachsenden Leser_innenschaft. Dafür ein ganz herzliches Dankeschön und Vergelt’s Gott!

Da ich keine geborene Rampensau bin, fällt mir das Bekanntmachen dieses Blogs, meiner Bücher und meiner Kunst sehr schwer. Daher ein doppeltes Dankeschön an alle, die mir in diesem Bereich Arbeit abnehmen und dafür sorgen, dass GmW mehr Menschen erreicht. Die meine Bücher kaufen, mit anderen darüber sprechen; sie rezensieren, empfehlen, verschenken; die meine Zeichnungen und Postkarten kaufen oder auf andere Weise würdigen; die mir Lesungen und Ausstellungen ermöglichen. Ich liebe Euch!

Auf weitere 5 Jahre (mindestens)!

Ihr und Euer Mayk