Schottische Landschaft

Ölpastell/Tonpapier, DIN A4.

Zugegeben: Da ich zurzeit mit meiner Malerei wirlich Geld verdienen muss, muss ich bei der Motivauswahl weitgehend darauf achten, was sich auf Langeoog an Tourist:innen verkaufen lässt. Und das sind nunmal klassische Sightseeing-Motive: Wasserturm, Pferdekutschen, Dünen, Strand.
Da ich selbst zurzeit aber auch nicht in den Urlaub komme, möchte ich ab und zu wenigstens mit den Pastellkreiden eine Weile die Insel verlassen und etwas malen, das eben nichts mit Langeoog zu tun hat. Nach einem Ausflug an die Ostsee ging es dieses Mal also nach Schottland. Leider war ich dort nie und werde es mir auch nicht so schnell leisten können, aber viele Fotos, die ich in Reisewerbung oder bei Freunden sah — und nicht zuletzt eine große Dokureihe auf ZDFinfo —, haben mich zu diesem Bild inspiriert. Außerdem hatte ich in Berlin eine ganz entzückende schottische Englischlehrerin, deren wunderbaren Akzent ich immer noch aufs Schönste im Ohr habe. Ich hoffe, ich werde ihrer Heimat mit diesem Bild einigermaßen gerecht.

Fasten

Der Frühling kommt jetzt mit Macht. Singdrosseln spazieren durch den Garten und die Meisen verschiedener Art überbieten sich im Gesang an Lautstärke. Lerchen steigen wieder über die Felder, ebenso wie die Kiebitze. Für die Rotkehlchen scheint es insgesamt ein gutes Jahr gewesen zu sein, denn sie wirken so zahlreich und omnipräsent wie nie zuvor auf Langeoog.
Kaum kann ich glauben, dass wir vor wenigen Tagen noch über die gefrorene Gischt am Strand kletterten; die zu Eis erstarrten Wellen schlängelten sich am Flutsaum entlang wie ein eilig drapiertes Bettlaken.
Nun aber sitze ich schon am frühen Morgen auf dem Balkon in der Sonne. Gestern schrubbte ich dort drei Stunden lang alle Spuren des Winters fort, begrub die im Frost verstorbenen Blumen, schnitt mir die Hände an in der Kälte zersprungenen Töpfen blutig, wusch die von Sand und Salz blind gewordenen Fenster und schuf Platz für Neues. Der Rosenstock zeigt bereits winzige Knospen.
Bis die Frühblüher in den Kästen leuchten, wird es noch dauern: Noch immer ist Pandemie, noch immer ist Lockdown und die Gartencenter bleiben geschlossen. Ich könnte traurig darüber sein, aber passenderweise ist ja ohnehin die Buß- und Fastenzeit angebrochen: Verzicht tut Not und Aushalten ist Tugend. Der Priester bestreute die Freundin und mich mit Asche, die uns später im Regen in schwarzen Schlieren vom Scheitel lief.
Nun aber ist auch das bereits wieder eine Weile her und der Tag schreit nach Vergnügung. Mit rund 15°C sind die Temperaturen beinahe tropisch zu nennen und mich ergreift eine leise Sehnsucht nach dem Sommer.

Natürlich gilt diese Sommersehnsucht nicht Lärm und Gewühl — an den zeitweisen Massentourismus auf Langeoog werde ich mich wohl nie gewöhnen — aber ich sehne mich nach dem schier endlosen Draußensein. Nach lauschigen Nächten auf dem Balkon, frühen Vogelkonzerten zum Kaffee und einer Zeit, in der man sich vom Strandkorb aus den Sonnenuntergang über dem Meer anschauen kann.
Ich vermisse die Farbenpracht blühender Salzwiesen und das Grün der Bäume; den Duft in der Sonne getrockneter Wäsche und die kühlen Nordseewellen an den nackten Knöcheln. Mir fehlt die Unkompliziertheit des Lebens, welche der Sommer mit sich bringt, ebenso wie die verschwenderische Fülle an Tageslicht. Natürlich fehlt mir auch die Unbeschwertheit pandemiefreier Tage: Spontane Überfahrten und Urlaube, das Flanieren durch pittoreske Dörfer und Altstädte, das Sitzen im Café, das Bummeln durch Kunstgalerien und liebevoll ausgestattete Lädchen. Ein Sommer ganz ohne das alles würde seltsam. Aber noch ist ja Zeit, tröste ich mich, wiewohl die wieder ansteigenden Infektionsraten durchaus die ein oder andere Kakophonie in die süße Melodie der Hoffnung schraddeln. Aber es wird geimpft, es geht voran. Irgendwas muss ja voran gehen. Muss.

Heute aber gibt es kein Muss. Der Tag liegt in glitzernder Pracht vor mir, noch nahezu unberührt. Ich mache mich auf zur Mole, es herrscht Niedrigwasser. Seevögel stochern im verschlickten Teil des Hafenbeckens; es riecht nach Watt. Über dem wogenden, noch wintergoldenen Gras am Flinthörn kreist eine Weihe. Verblühter Rainfarn streckt sich im Vordergrund.
Es sind relativ viele Menschen unterwegs; vermutlich halten sie den plötzlichen Frühlingseinbruch für ein ähnlich fragiles Konstrukt wie ich. Jederzeit kann die Kälte zurückkommen; jeder weiß das. Umso kostbarer ist jetzt die Wärme, ist jetzt das Draußensein. Die erwachende Natur tut gut. All das sich regende Leben — die balzenden Vögel, die ersten Bündel von Schneeglöckchen und Krokussen auf den Wiesen, die Knospen der Sträucher — zeigt, dass es voran geht. Zeigt, dass sich irgendwas bewegt, auch wenn sich der Lockdown für viele wie ein endloser Stillstand anfühlt. Das einzige, was sich definitiv bewegt, ist der Kontostand: Und zwar abwärts — ein mir ebenfalls sehr vertrautes Phänomen in der Pandemie. Aber im Sarg nützt mir das Geld auch nichts, sage ich mir, und mache also das, was man als Katholik halt so tut in der Fastenzeit: Ich übe Verzicht und ertrage.
Und träume heimlich von der Fülle des Sommers.

Entlang des spiegelglatt glitzernden Wassers, entlang des Seedeichs, der Dünen und Weiden geht es allmählich wieder heimwärts. Ich pausiere auf sonnenwarmen Steinen; die Jacke zusammengerollt unter dem Kopf. Es wird wieder voran gehen, denke ich, und schaue zu, wie sich zarte Wolkenbänder durch das Himmelsblau weben. In der Ferne höre ich das Pfeifen der Großen Brachvögel und das Trillern der Austernfischer. Möwen gleiten über den Sielen. Am Wegesrand sehe ich auch etliche Kadaver: Einen Austernfischer, dem ein anderes Tier das Herz aus der Brust gefressen hat. Einen kopflosen Fasan. Eine halbskelettierte Elster und einen abgerissenen Vogelfuß, von wem auch immer. Aus einem ausgerenkten Flügel ragt ein Knochen. Diese Tiere haben den Winter nicht geschafft, und der Hunger derer, die ihn schafften, ist groß.

So ist auch der Hunger der Menschen: Wenn nicht nach Essen, dann nach der Unbeschwertheit einer Zeit ohne Coronavirus. Nach Reisen, nach unverhüllten Gesichtern, nach Sommer. Die Fastenzeit verlangt einiges in diesem Jahr. Aus christlicher Sicht dient das Fasten der Reinigung und Buße, der Rückbesinnung auf Wege und Werte, damit man das Strahlen des österlichen Lichts umso freudiger empfangen kann. Es ist verständlich, wenn der Lockdown mit all seinen Verpflichtungen zum Maßhalten und Sozialfasten, zum Warten und Erdulden, mitunter sehr an den Nerven zerrt: Zumal es ja nicht einmal ein selbstgewählter Verzicht ist und damit auch kein Vergleich zum christlichen Fasten aus freier Entscheidung. Aber, ebenso wie das Osterlicht, wird auch das Licht des Sommers kommen und eine Zeit nach dem großen Verzicht — Über das Ausmaß der danach zu erwartenden Völlerei sprechen wir lieber an anderer Stelle.

Momentaufnahme, Regenluft

Ich beobachte den Regen durch den aufsteigenden Dampf aus meiner Teetasse. Die aufs Dachfenster fallenden Tropfen verweben sich zu einem sanft ineinanderfließenden Muster, bevor sie die Schwerkraft Richtung Dachrinne befördert. Auf dem Dachfirst gegenüber sitzt reglos ein kleiner Vogel. Er könnte sich verstecken, wie viele seiner Artgenossen irgendwo im Geäst verkriechen, aber er thront dort wie eine Gallionsfigur, stolz und erhaben. Vielleicht aber auch einfach nur stoisch den Schauer ertragend; vielleicht sogar stumm genießend.
Der geliebte Mensch sitzt neben mir; auch wir müssen uns nicht mehr verstecken, dem Herrn sei Dank. Beide sind wir still, aber es ist keine Stille, bei der man sich nichts mehr zu sagen hat. Es ist wortlose Geborgenheit und eine Vertrautheit, die eigentlich in keinem Verhältnis zur Dauer unseres Kennens steht. Das Prasseln des Regens und die Wärme ihrer Nähe ist mir genug Versicherung meines Daseins. Es bedarf keiner Worte.

Irgendwann mache ich mich auf den Heimweg; die Arbeit ruft, der eigene Hausstand. Es zieht mich automatisch auf einen Umweg ans Meer. Dieser erste, lang ersehnte Regen nach einer schier endlosen Trockenperiode überflutet meine Sinne, kaum dass ich das Straßenpflaster betreten habe. Alles duftet nach Leben. Erdig, sinnlich. Zugleich so rein und klar und voller Unschuld. Wassertropfen perlen aus gerade eröffneten Blütenkelchen und setzen den Duft der Inselrosen frei; die Blätter sehen aus wie frisch lackiert. Zum Strand führt eine einzige Möwenspur im Sand. Kein menschlicher Laut ist zu hören; kein Mensch zu sehen. 
Am Horizont zeichnet sich ein roter Krabbenkutter ab; davor schlägt eine ruhige See weiche, bleigraue Wellen. Luft. Wie einen die Bedrohung durch eine neue Lungenkrankheit noch einmal ganz neu den eigenen Atem spüren lässt, denke ich und mache ein paar tiefe, bewusste Züge. In Zeiten, wo die Birken ihre Pollen über Langeoog verteilen, als gäbe es kein Morgen, ist das auch für einen Allergiker mit chronischem Asthma schon keine Selbstverständlichkeit. Aber nun, in dieser herrlichen Luft nach dem Regen, fühlt es sich leicht an. Man darf nichts für selbstverständlich halten, erkenne ich einmal mehr, gar nichts. Egal ob Erfolg, Geld, Sicherheit oder irdische Formen der Liebe.
Ewig, unerschöpflich und immer da ist nur die Liebe, Gnade und Treue des Herrn — aber auch über Gott denke ich viel nach dieser Tage. Genauer: Über katholische Sexualmoral, um es einmal ohne Umschweife auszudrücken. Denn natürlich habe ich nicht vergessen, welches Geschenk es sein kann und welche Freiheiten es bietet, sich zur Gänze nur Christus hinzugeben, selbst wenn man, wie ich, aus biografischen Gründen kein Diakon, Ordensmann oder Priester werden darf. Keuschheit um der Lehre willen und um dem Geheimnis zölibatären Lebens auf den Grund zu gehen; um frei von erotisch-konnotierter Zuneigung, die mich oft zu sehr fremdbestimmte, wirklich unverstellt auf mein eigenes Leben schauen zu können, auf meine Beziehung zu Gott, auf mein Wollen, auf mein Verhältnis zu Mitmenschen. 5 Jahre lang war dies mein Leben, und es war schön, zu erfahren, dass man wirklich so leben kann, ohne dass etwas fehlt. Im Gegenteil: Ich bin dankbar für diese Zeit, in der ich u.a. lernte, dass sich Liebe, Sinnlichkeit und Nähe auch auf unzähligen anderen Ebenen jenseits von Sexualität erfahren lassen. Möglicherweise hat mich dieses halbe Jahrzehnt in Enthaltsamkeit sogar erst Lieben lernen lassen, ich weiß es nicht.
Und ich weiß auch nicht, ob es richtig ist, diese Zeit nun zu beenden — aber dann betrachte ich einmal mehr dieses kleine Wunder, die schöne Seele dieses Menschen, der mich auf eine Weise liebt, die ich kaum je zu erhoffen gewagt hätte, und denke, dass auch dieses Geschenk irgendetwas mit Gott zu tun haben muss. Und dass es vielleicht nicht falsch ist.

Ich gehe oft mit meiner Freundin in die Kirche, auch wenn zurzeit keine Gottesdienste stattfinden. Wenn sie sich bekreuzigt und dann still in der Bank sitzt, liegt darin irgendetwas, das mich zu Tränen rührt. Weil ich weiß, dass wir füreinander beten, auch wenn wir es nicht sagen, und ich bete dann: Lieber Gott, wenn irgendetwas daran falsch ist, dann lass es mich bitte wissen. Lass mich wissen, was richtig ist. Aber ich höre nichts. Ich fühle nur tiefen Frieden. Aller Widrigkeiten zum Trotz.

Es gibt viel nachzudenken dieser Tage, aber heute möchte ich, dass nur der Frieden bleibt. Der Regen hilft mir dabei. Denn so, wie ich zusehe, wie die Tropfen auf dem Dachfenster ineinanderlaufen, abfließen und die Natur frischgebadet, rein und duftend enthüllen, so möchte ich mein Leben jetzt freigespült und frischgebadet betrachten können: Ohne Sorgen, Unsicherheiten und Theorien, von denen mich eine konfuser zurücklässt als die andere.

Vielleicht bin ich wirklich an einem Punkt, an dem ich Liebe ganz neu lernen muss. Zurück in meiner Wohnung finde ich schon etliche Zeugnisse ihrer Anwesenheit. Ein buntes Kosmetiktäschchen im Bad, ihre Zahnbürste in meinem Becher, ein weiches Nachtkleid in meinem Bett. Früher hätte mich das wahnsinnig gemacht. Ich hasste es, wenn andere Leute Sachen bei mir verteilten, weil es mein Interieur-Konzept sprengte, weil es Schlieren in mein Bild perfekter Ordnung zog; weil es neue Dinge waren, die sich in meine vertraute Umgebung noch nicht einfügten, weil sie fremd waren und ursprünglich nicht von mir gewollt; weil ich sie nicht selbst gekauft und nicht selbst dorthin gelegt hatte. Sie machten mir Angst, denn sie trugen die latente Bedrohung von Fremdbestimmtwerden in sich, von Kontrollverlust, von Territorialanspruch.
Bei ihr ist es anders. Der Anblick ihrer Sachen lässt mich lächeln, weil sie mich ihrer Existenz versichern, ihrer Ernsthaftigkeit und ihres „Ich komme wieder“. Nähme sie diese Dinge wieder mit, wäre für mich dort keine wiederhergestellte Ordnung mehr. Sondern ein ein Ort, an dem etwas fehlt.

Vielleicht ist auch dieser Mensch ein später Frühlingsregen, denke ich. Der die Krusten alter Verwundungen und Neurosen fortspült, und, wie die weichen runden Tropfen an der Fensterscheibe, die Dinge sanft zu einem neuen Muster webt. Die Dinge werden sich klären, so wie der Regen Staub und Pollen von den Pflanzen wäscht. Und auch der Wind wird da sein: Dieser wunderbar sanfte, warme Hauch vom Meer. Erdig, salzig, sinnlich. Und zugleich so voller Unschuld. Es wird wohl Zeit für ein paar tiefe Atemzüge.

 

Momentaufnahme, Start

Von der Wohnung, die nicht meine ist, schaue ich über nebelumhüllte Straßen. In der Nacht muss es geregnet haben; das rote Dach glänzt vor Nässe, die Pollen und Staub des vergangenen Frühlingstages sind weggespült. Es ist noch früh; die Morgensonne hat sich als milchiger Ball gerade erst über den Horizont erhoben.
Die Austernfischer lassen seit Stunden ihr Trillern ertönen, auch der Fasan meckerte zeitig in den Dünen. Nun stimmen auch die Stare ein, die Lerchen, Amseln und Rotkehlchen. Ein neuer Tag in dieser unwirklichen Zeit.

Die Freundin verabschiedet sich zur Arbeit. Ich trinke ihren Kaffee am Fenster und sehe zu, wie der Nebel die Insel Stück für Stück verschluckt. Aber es wird nicht lange dauern, dann wird er all die Schönheit des Weltnaturerbes wieder den Blicken preisgeben; unter einem wolkenlosen Himmel in all ihrer Frühlingspracht.
Die Natur lässt sich von keiner Corona-Krise aufhalten. Und die Liebe wohl auch nicht.

Sehr viel ist ein wenig unwirklich in diesen Tagen. T-Shirtwetter, und dennoch ein menschenleerer Strand. Ein leergefegtes Inseldorf mit verschlossenen Läden. Eine leere Kirche, kurz vor den Ostertagen; eine einzelne Kerzenflamme flackert unter der Gottesmutter durch den Luftzug der offenstehenden Tür. Porta patet, cor magis.
Ich stelle eine weitere dazu und weiß nicht, was ich Gott erzählen soll. Aber ich bin da. Und ER ist es auch.

Sehr viel ist neu in diesen Tagen, und man wagt sich auf fast vergessenes Terrain, unsicher wie als Kind mit Schlittschuhen auf dem Eis. 
„Und was ist, wenn es nicht funktioniert?“ „Wenn man es nicht versucht, kann man es nicht wissen.“ So ist das wohl.
Irgendwann stolperte ich beim Schlittschuhlaufen über einen halb aus dem Eis ragenden Ast; ich schlug der Länge nach hin und hatte ein blaues Auge. Auf dem Kemnader Stausee war das, und dennoch hörte ich nicht auf, das Schlittschuhlaufen zu mögen. Und auch der See ist mir ein alter Freund. 
Die Freundin kennt den See; wir teilen eine Heimatregion. Und so verbindet uns auch eine Mentalität und vieles, das keine Worte braucht.

Der erste wirklich warme Tag liegt hinter uns. Die ersten LangeoogerInnen tummelten sich in Badekleidung am Strand, einige wagten sich sogar in die noch kalte Nordsee. Die Gemeinde hat einige Strandkörbe zur freien Verfügung aufgestellt; vor allem zum Sonnenuntergang sitzen dankbare Inselbewohner darin, um einen weiteren Tag im Corona-Wahnsinn zu verabschieden. Einen weiteren Tag, an dem nichts mehr normal scheint. Aber was ist schon normal? — Eine uralte Frage, deren Antwort mich aber tatsächlich noch nie interessiert hat.

„Bist du jetzt heterosexuell?“ Nein. Denn Schubladen interessieren mich auch nicht, und dieser Mensch, der noch so neu in meinem Leben ist, mich aber aus irgendwelchen Gründen tatsächlich zu lieben scheint, sieht das genauso.

Ich kann nicht behaupten, dass mir das nicht gefällt, oder dass es nicht auf Gegenseitigkeit beruhte. Aber manchmal sind einem auch schöne Dinge erst einmal noch fremd und man beobachtet sie mitunter staunend, als wäre man selbst nicht beteiligt.

Auch die ganz ungewohnte Dimension der Unkompliziertheit lässt mich noch etwas ungläubig an die Sache herantreten. Plötzlich riskiert man keine angewiderten Blicke mehr. Man muss sich nicht mehr vorsichtig umschauen, bevor man es wagt, den anderen zu berühren. Es gibt plötzlich keinen Grund mehr, sich zu verstecken. Und auch keine moralischen Hindernisse: Kein Ehering, kein Priesterkragen.
Freilich, da gibt es den Inselklatsch. „Ich wünschte, ich könnte dich vor den dämlichen Sprüchen der nächsten Zeit beschützen“, sage ich. Aber da müssen wir jetzt beide allein durch, denn selbst wenn man sich an einer künftigen Gemeinsamkeit versucht, ist das Ja zum anderen doch jeweils eine einsame Entscheidung, mit all ihren Konsequenzen.

Es ist sehr still am Strand. Zwar sind fast alle Strandkörbe besetzt, aber aufgrund der Hygienebestimmungen sind die meisten Menschen nur allein oder zu zweit unterwegs; es gibt keine lärmenden Gruppen, wie sie sonst um diese Zeit schon die Insel bevölkern würden. Alle unterhalten sich leise oder lauschen reglos, die Gesichter von der tiefstehenden Sonne vergoldet. In die Rufe der Seevögel und das leise Rauschen des Windes im Dünengras mischt sich das gleichmäßige, einschläfernde Atmen der See. Es ist ungewohnt, nun wieder einen anderen Menschen neben mir atmen zu hören, nach all den Jahren der Angst: Der Angst vor Nähe, der Angst vor dem Entdecktwerden, der Angst vor Höllenstrafen. Der Angst vor den eigenen Gefühlen. Der Angst vor der Verantwortung für das Glück und Leid eines anderen, der einem vertraut und sich so gewissermaßen ausliefert, so wie man sich immer in Liebe ausliefert. 
„I don’t know where we’re going, but God, it’s a start“ heißt es in einem Lied von Tom Rosenthal, und das trifft den status quo wohl ziemlich genau. Aber es ist schön, in diesen Tagen der Distanz eine Entscheidung für Nähe getroffen zu haben. Und in dieser Zeit, wo alles Gewohnte auseinanderzubrechen scheint, plötzlich jemanden zu haben, der in unerschütterlichem Heldinnenmut irgendetwas mit „für immer“ plant.

Momentaufnahme, Nähe

Ich habe Langeoogs Straßen schon leer gesehen. Die Geschäfte geschlossen, der Strand eine einzige, gewaltige freie Fläche. Nur ist dann meistens November. Auf den abgetakelten Caféterassen sammelt sich Regen, über den Dünen liegt kalter Winteratem.
Jetzt aber tobt das Leben. Zumindest alles, was nicht-menschlicher Natur ist, denn die Corona-Krise hat die Insel mitten im herrlichsten Frühling erwischt; bei einem Wetter, wo sich Langeoog im Vorjahr schon gebogen hätte vor Tagesausflüglern und Osterferien-Anreisen. Es ist ein bisschen surreal, denn sogar das Traditionscafé, das sonst praktisch immer auf hat — zuweilen als einziges Etablissement neben der Kneipe am Wasserturm — hat nun zu; und die Kneipe natürlich ebenfalls. Und so radele ich durch absolut stille Straßen, gesäumt von einem Narzissenmeer, überschattet von blütenschweren Zweigen und überdacht von einem leuchtenden, königsblauen Himmel. Ein bisschen fühle ich mich wie in einer Filmkulisse kurz vor Drehbeginn: Vermutlich stehen sie noch im Depot, die vielen Kutschen, und die vielen Menschen mit Rollkoffern, Rädern und Bollerwagen warten nur auf das „Und … Bitte!“ der Regisseurin. Aber niemand kommt. Die Insel ist dicht. Etliche Insulaner sind’s vermutlich auch, aber sie saufen zumindest nicht mehr da, wo man sie durch ein Fenster mit dem Kopf auf dem Tresen sehen kann.

Ich gehe der Arbeit nach, die ich auch sonst mache, abzüglich der Veranstaltungsbesuche. Insofern hat sich mein Alltag wenig verändert. Und für gewöhnlich liebe ich ja Stille — warum sonst hätte ich die Stadt verlassen und auf einer Insel leben wollen? Dass auf Langeoog in der Hochsaison teils ein Lärmpegel herrscht wie im Neuköllner Prinzenbad am Samstagnachmittag, hatte ich mir trotz etlicher Urlaube indes nicht vorstellen können. Angesichts des ernsten Hintergrunds mit zu erwartenden dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Folgen scheint es ungehörig; dennoch erwische ich mich dabei, diese pittoreske Einsamkeit der Insel zumindest unter ästhetischen und akustischen Aspekten sehr zu genießen.

Die Tiere verlieren zunehmend ihre Scheu. Zwei Fasanenhähne ledern sich mitten auf der Straße um irgendein gefiedertes Weibsbild — ich erwähnte es: Es ist Frühling. Ein Rotkehlchen trinkt aus einer kleinen Pfütze, keinen halben Meter von meinem Fuß entfernt. Ich sehe Arten aus nächster Nähe, die ich noch nie oder zumindest noch nie ohne Fernglas gesehen habe. Rotdrosseln, Wiesenpieper, Steinschmätzer. Die ersten Löffler lassen ihren strahlend weißen Federschopf entlang der Bahngleise im Wind wehen. Die Bahn fährt jetzt nur noch selten; mit überwiegend schweigender Fracht. 
Es herrscht keinerlei Mangel. Die Supermärkte sind reich bestückt, man hatte sich schon auf den Frühlingsansturm vorbereitet. Sogar das weiße Rollengold, um das sich auf dem Kontinent mit einer Brachialgewalt gestritten wird, als hätte die Menschheit nie den Waschlappen erfunden, gibt es in ausreichender Menge. Seife auch.

Aber je näher die Tiere kommen — auch unzählige Zugvögel sind bereits wieder angereist — desto mehr Abstand halten die Menschen. Nicht unbedingt von den Tieren (das wäre gerade in der Brut- und Setzzeit sehr wünschenswert), aber voneinander; der von der Regierung auferlegten Hygieneregeln wegen. Das ist auch gut und vernünftig, aber tatsächlich fällt sogar mir die Umstellung etwas schwer. Zwar gehört es ohnehin nicht zur norddeutschen Mentalität, sich über Gebühr abzubusseln oder Körperkontakt zu suchen; traditionell gibt man sich auf Langeoog sogar grundsätzlich nicht die Hand. Zuneigung wird über verschiedene Betonungen von „Moin“ ausgedrückt, die von „Gott sei mit dir, du schönstes aller Geschöpfe auf diesem zauberhaften Erdenrund“ bis „Verpiss dich, du Arschgeige“ alles bedeuten können. Im Falle des schönen Geschöpfes nickt man als Höchstmaß an Sympathiebekundung noch dazu. Das war’s dann aber auch.

Allerdings gibt es Ausnahmen, die eine gewisse Unbeholfenheit mit sich bringen. Eine von mir sehr geschätzte Bekannte hatte Geburtstag. Ich kaufte ein kleines Geschenk und eine Postkarte; beides plante ich ihr in den Briefkasten zu werfen: Social distancing, you know. Nun kam sie mir aber per Zufall auf der Straße entgegen. Ihre Jacke leuchtete mit den Frühlingsblumen auf meiner Karte und ihrem Lächeln um die Wette; sie zog einen Handwagen mit Kartons hinter sich her. „Ich hab was für dich“ sagte ich, tölpelhaft wie ein Schuljunge, und wedelte mit den Präsenten in ihre Richtung. „Danke“ klang es aus Sicherheitsabstand zurück. Ich hätte ihr die Sachen gerne gegeben, aber da war ja noch was (social distancing, you know), und Handgeben oder Umarmen ging deswegen schon gar nicht — nun also: wohin damit? Und wie gratulieren? Ich warf das Geschenk in meiner Verlegenheit mit Schwung und „Herzlichen Glückwunsch“ in den Bollerwagen, radelte mit einem überforderten „Ich muss dann mal weiter“ zurück und kam mir selten bescheuert vor. An meinem Geburtstag war sie noch als Überraschungsbesuch zum Tee gekommen: Kalendarisch feiern wir im selben Monat. Dieses Jahr tun wir das in Parallelwelten.

Morgen werde ich nach langer Zeit eine liebe Freundin wiedertreffen. Sie war im Urlaub, ich gestresst, und so sahen wir uns lange nicht. Es wird mir absurd vorkommen, sie nicht oder nur mit schlechtem Gewissen zur Begrüßung umarmen zu können. Schließlich wimmeln die Sozialen Medien bereits vor Denunziationsfotos von Menschen, die sich nicht um die Gebote des physischen Abstandhaltens scheren. Ich schere mich zweifelsohne darum; der Ernst der Lage ist mir bewusst. Absurd anfühlen wird es sich trotzdem, wenn das Selbstverständliche — einen lang vermissten Menschen in die Arme zu schließen — plötzlich nicht mehr selbstverständlich sein darf.

Als Person, die leider Gottes einige Erfahrung darin hat, in Liebesdingen nur heimlich verbandelt zu sein, weiß ich allerdings auch, dass es durchaus möglich ist, sich auch ohne Berührungen nah zu sein. Es ist möglich, jemanden nur mit Blicken zu streicheln und all seine Hingabe in ein Lächeln zu packen, wenn der geliebte Mensch nicht offiziell zu einem stehen kann oder will.
Und so müssen wir wohl auch jetzt, in diesen Zeiten notgedrungener Distanz, neue Formen der Nähe finden. Wir müssen unsere Liebe durch eine Telefonleitung jagen, unsere Zuneigung in unsere Texte flechten und die Wärme unserer Hände in unsere Gedanken. Ich bin sicher: Irgendetwas wird auch davon ankommen.

Momentaufnahme, 44

Es ist der erste warme Tag auf Langeoog, auch wenn er mit seiner schmutziggrauen Wolkendecke und dem ununterbrochenen Nieselregen noch nicht danach aussieht. Dennoch sind die 15°C Außentemperatur angenehm: Auf der Haut, in den Lungen. Es ist bereits dunkel, als ich auf die Straße trete. Die Luft riecht leicht nach Viehwirtschaft und Holzfeuer; darunter mischt sich der allgegenwärtige Duft salzigen Seewinds, den man sich am Ende des Tages von den Lippen lecken kann. 
Es soll der letzte graue Tag sein auf Langeoog, da sind sich die Prognosen einig. Und mit der Wärme wird auch die Sonne kommen.

Bevor diese anderntags jedoch die Chance hat, in mein Schlafzimmer zu dringen und mich mit goldenem Licht zu wecken, werde ich kurz nach 6 von infernalischem Lärm aus der Wohnung über mir wach. Elefantöses Getrampel, das Anspringen einer Badlüftung; jemand strullt wie ein Wasserbüffel, begleitet von ausgiebiger Flatulenz. Die folgende Spülung klingt, als brächen die Niagarafälle durch die Decke — Ich bin wirklich schon romantischer geweckt worden. Danach wird auch die nächste Person über mir wach, Gespräche setzen ein, noch mehr Getrampel, das Vibrieren eines Mobiltelefons, noch ein Klogang: Schalldämmung scheint bei der Renovierung von Feriendomizilen gerade nicht en vogue zu sein.
 Über dieses Sparen auf Kosten der Dauerbewohner breitet sich in mir Wut, die ein Wiedereinschlafen unmöglich macht; durchsetzt mit latentem Ekel über diese aufgezwungene Intimität von fremden Leuten. Und die Saison hat ja nicht einmal begonnen.
Mit der Laune unter Tage, da immer noch todmüde, quäle ich mich hoch und mache Kaffee. Die Sonne ist inzwischen über den Deich gekrochen und streichelt mit sanftem Licht Balkonblumen, Teppich und Bettwäsche. Noch ein wenig desorientiert schnappe ich mir das Kuschelkissen, das mir ein lieber Freund schenkte, einen Haufen Decken und den Kaffee und setze mich raus: Der erste echte Frühlingstag auf der Insel! Wie könnte ich ihn vergeuden?
Ich stelle mir den Freund vor und versuche statt an die ekligen Geräusche, mit denen mein Tag begann, an sein hübsches Lächeln zu denken und wie er nun, vermutlich gleichermaßen verschlafen, in seinen Kaffee guckt. Es hilft ein wenig. Auch das Sonnenlicht, das mein Gesicht berührt, ist tröstlich.

Die Leute über mir wollen den schönen Tag offenbar ebenfalls nicht verschwenden und verlassen das Haus. Eigentlich hatte ich Ähnliches vor, aber die plötzlich einsetzende, kostbare Stille treibt mich zurück aufs Bett und in die Arme erlösenden Tiefschlafs.
Als ich erwache, steht der Sonnenball bereits im Südwesten. Eine halbe Stunde Spaziergang ist erlaubt, sage ich mir, Blick und schlechtes Gewissen zwischen vollem Schreibtisch und Frühlingspracht vorm Fenster mäandernd: Eine halbe Stunde. Mehr nicht.

Es werden drei Stunden. Es gab schon mehr sonnige Tage in diesem Jahr, durchaus. Aber das jetzt ist Frühling; ich spüre seine belebende Kraft mit jedem Schritt Richtung Deich. Die Sonnenwärme fühlt sich anders an, das unvergleichliche Himmelsblau ist anders. An den Sträuchern blühen flauschige, pralle Weidenkätzchen und die Kiebitze turnen über den Äckern.
Die Entwässerungsgräben sind durch die Regenfälle der letzten Wochen zu kleinen Bächen angeschwollen, in den Dünentälern gibt es ein paar neue Süßwasserseen, in deren stiller Oberfläche sich majestätische Wolken spiegeln.
Ein Schwarm Nonnengänse landet an; die Rinder, die ich am Vorabend nur roch, käuen träge vor der Deichlinie wieder.
Es ist ein Segen, dass ich all das hier meine Heimat nennen darf.

Touristen sind nur wenige unterwegs, die sogenannten „Karnevalsflüchtlinge“ sind abgereist und die Oster-Reisewelle hat noch nicht eingesetzt. Hier draußen, mit jedem Meter Entfernung vom Dorf mit seinem Menschenlärm, wird wieder alles gut. Das Schnattern der Gänse, die walzertaktartigen Rufe der Kiebitze, der Gesang von Lerchen und Rotkehlchen, der Wind im Dünengras und die nahe Brandung — kann es schönere Geräusche geben?
Auch die Farben der erwachenden Natur rauben mir mit ihrer Schönheit den Atem. Ich betrachte das golden wogende Gras, den sattgrünen Rasen am Deich, den dunkel glänzenden Dünenbewuchs aus Krähenbeeren mit seinen gelben und grünen Farbtupfern aus Moosen und Flechten. All das möchte ich förmlich inhalieren, fühlen, umarmen und nie wieder loslassen. Jeder Blick ein kleines Gebet: Nie hätte ich gedacht, dass man ein Stück Land so sehr lieben kann. Und über und unter all dem leuchtet dieses unglaubliche Blau von Himmel und Wasser.
Es darf einfach kein Winter mehr werden, denke ich. Es darf einfach nicht. Und doch weiß man, dass der März ein fragiles Konstrukt ist.
Ein März ist kein Mai: So simpel, so wahr. Schnee, Kälte und Grau können noch jederzeit zurückkehren. Ein abgenagtes Vogelskelett am Rande des Weges zeigt mir, dass auch im Frühling nicht nur der Winter stirbt.

Das tote Tier erinnert mich an meine eigene Endlichkeit. Mein Geburtstag naht, und 44 ist keine schöne Zahl. In China, besonders im traditionell abergläubischen Süden, ist sie gar eine mittlere Katastrophe. Síshísì. Mit südchinesischem Akzent ausgesprochen: Sísísì. Der dreifache Tod. Denn die Zahl Vier, sí, ist nahezu gleichlautend mit dem Wort für „sterben“, sì. Es gibt in einigen chinesischen Hochhäusern und Hotels keine 4. oder 14. Etage. Zudem wurde ich 1976 geboren, dem sogenannten „Katastrophenjahr“, das mit einem verheerenden Erdbeben in Tangshan und dem Tod der drei Politgrößen Zhou Enlai, Mao Zedong und Zhu De in die chinesische Geschichte einging. Das Einzige, was mich aus chinesischer Sicht da raushaut, ist meine Geburt im Zeichen des Drachen, die dort als etwas Gutes gilt. 
Glücklicherweise bin ich in dieser Richtung nicht abergläubisch, auch wenn sich dem studierten Ostasienwissenschaftler in mir (wiewohl als solcher außer Dienst) diese Dinge zwangsläufig aufdrängen. Warum mir die Zahl dennoch nicht gefällt, kann ich nicht sagen. Sie ist wohl zu eindeutig keine Jugend mehr, aber auch noch ohne die Würde des Alters.

Für mich als Schüler waren 44jährige Männer Lehrer in Cordhosen, mit deren Kindern man in eine Klasse ging.
Farblose Personen, aber mit einer stabilen Existenz. Frau, Haus, fortgepflanzt, einige geschieden. Bausparverträge, Eigenheim. Die meisten waren nie weiter als 20km von ihrem Geburtsort weggezogen. Die Zähne schlechter werdend, die Haare dünner. Ich konnte mir diese Leute weder als Kinder noch als Greise vorstellen, sie waren halt irgendwie da und lebten unauffällig ihre Jahre ab.

Am Strand angelangt, lege ich mich kurz in die Sonne und dehne die schmerzenden Lendenwirbel. Irgendwo merkt man das Alter halt doch. Mit geschlossenen Augen lasse ich das Rollen der Brandung seine akustische Heilwirkung tun. Die Sonnenwärme entknittert spürbar die Winterseele.

Während ich dem Flutsaum heimwärts folge, formt sich in mir der Wunsch nach einem gnädigen Frühling. Nach warmen, schönen Tagen der Stille, bevor die Saison wieder lostobt. Nach Arbeit, die leicht von der Hand geht; nach dem Schutz eines stabilen Zuhauses, das mich vom akustischen, sozialen, politischen und sonstigen Wahnsinn der Welt für eine Weile abschirmt. Ich wünsche mir ein Jahr ohne existenzielle Geldsorgen, mit angstfrei verplanbaren Urlaubswochen, ohne Todesfälle in der Familie und bei guter Gesundheit: Es sind wohl die typischen Sehnsüchte eines langweiligen Mittvierzigers.
Und doch möchte ich vors dreifache Sterben erstmal noch eine Menge Leben setzen.