Momentaufnahme, Kreuzfahrt II

Pünktlich zum Sonnenaufgang erwache ich. Die Nacht war erstaunlich ruhig, obwohl ich befürchtete, aufgrund bezechter Mitpassagiere keine Ruhe zu finden. Tatsächlich ist aber der Konsum von Alkohol in den Kabinen streng verboten und nachts patroullieren Sicherheitsleute durch die Gänge, die vermutlich auch für Ruhe sorgen. Mit meiner Kabine habe ich aber auch erstaunliches Glück, denn zumindest die direkten Nachbarkabinen scheinen unbewohnt und sie liegt wunderbar mittschiffs, von wo man als See-Anfänger die Schiffsbewegungen noch am Wenigsten spürt.

„Wetter soll ja nicht so toll sein“, unkte eine Bekannte vor meiner Anfahrt. „Regen und Kälte sind mir egal, erwiderte ich. Aber klar sollte es sein, mit guter Sicht. Wäre schon schade, wenn alles im Nebel läge.“

Es hätte nicht schöner werden können. Schon am frühen Morgen hat die Sonne trotz eisigen Winds schon wärmende Kraft. Einige Arbeitschiffe sind unterwegs; auch der Zoll auf einem schnellen Schlauchboot.

Ich gehe das Promenadendeck entlang bis zum Bug; das Schiff schlägt einen eleganten Wellenteppich in die tiefblauen Wasser, während die Sonne allmählich über die Wipfel verschneiter Mischwälder kriecht.

Wir sind in Norwegen angekommen, und ich verstehe Augenblicklich, warum Norwegen vielen als Sehnsuchtsland gilt. Alles sieht genauso aus, wie ich es mir immer erträumt habe. Bunte Häuschen und kapellenähnliche Leuchttürme auf kleinen Felsinselchen, umkreist von Seevögeln. Noch im Morgendunst liegende, bewaldete Bergketten, zwischen denen Fjorde glitzern. Und über all dem liegt Schnee, der die falunroten und gelben und blauen und cremefarbenen Fassaden umso pittresker leuchten lässt. Auch die Zweige der mächtigen Kiefern und Fichten biegen sich unter dem Weiß, darunter das satte Grün unberührter Wildnis. Mich würde nicht wundern, hier Wale zu sehen. Oder einen Elch.

Ich kann den Blick nicht losreißen. Mit jedem Mal, dass ich mich vom Fenster wegdrehe, scheine ich eine noch schönere Szenerie zu verpassen, obwohl ich schon die jeweils vorherige kaum für steigerungsfähig hielt. Es ist nicht einmal sieben Uhr, und ich bin vollkommen euphorisiert.

Beim Frühstück (in gleicher Opulenz wie das Abendessen) habe ich dieses Mal angenehme Renter als Nachbarn. Sie stammen dem Akzent nach vermutlich auch aus Norddeutschland, wenn nicht gar Ostfriesland. Die meiste Zeit aber sind sie still und berauschen sich, ebenso wie ich, an der Landschaft, die am Panoramafenster vorbeigleitet.

Den Rest des Morgens verbringe ich in vollkommen schönheitstrunkener Ergriffenheit in der Sonne auf dem Helikopterdeck, bis Olso in Sichtweite kommt.

Die Einfahrt in den Oslofjord ist unvergesslich. Auch hier ist ein Inselchen schöner als das andere, ein Leuchttürmchen malerischer, dazwischen wieder bunte Häuschen und Wald, Wald, Wald. Und Wald.

Als das markante Opernhaus in Sichtweite kommt, fordert eine Lautsprecherdurchsage das Fertigmachen zum Landgang.

Drei Stunden Stadtrundfahrt mit Halt an drei Sehenswürdigkeiten später kann ich nicht sagen, ob mir Oslo gefällt. Ich fühle mich wie Ware, die durch eine vielteilige Produktionsanlage geschoben und dort rauf und runter gefahren, nach links und nach rechts und mehrfach im Kreis gedreht wurde, um am Ende in jeder Hinsicht fertig vom Band zu rutschen. Mit Sicherheit sind die Museen, die wir besuchten, interessant und die Altstadt bezaubernd; auch Architekturfreunde kommen sehr auf ihre Kosten. Aber es ergibt wenig Sinn, zu Dutzenden auf einmal hinein gestopft und im Schweinsgalopp durchgejagt zu werden: In 20 Minuten zurück am Bus, und bitte alle pünktlich.

Jedenfalls sind die drei Stunden Stadtrundfahrt in Nullkommanix vorbei, ohne das wirklich Gelegenheit zum Ankommen und Verarbeiten der Eindrücke gewesen wäre. Aber für einen ersten Überblick muss es reichen.

Es geht zurück aufs Schiff. Die vielen Norweger an Bord sind in Oslo geblieben, und zuletzt verstand ich auch, warum diese Kreuzfahrt auch dort so beliebt ist, obwohl Kiel nicht als gerade als klassisches Touristenziel gilt: Fast alle verließen das Schiff mit riesigen „Tax free“-Tüten voller Alkohol. Helgoland kann hier mitreden.

Die katholische Domkirche St. Olav habe ich leider nicht gesehen. Ich fragte die Reiseführerin danach, aber sie fragte nur, warum mir das wichtig sei. Ich führte solidarisches Interesse an der Diaspora-Situation der norwegischen Katholiken als Grund an und dachte, nach einem kurzen Moment der Verwunderung, dass das eigentlich eine sehr gute Frage ist. Eine, die man sich als Christ immer mal wieder stellen sollte: Warum ist der Glaube, warum ist GOTT mir wichtig?

Beim Auslaufen und der Rückreise durch den Oslofjord — der Himmel über uns ist immer noch strahlend blau und die Sonne spiegelt sich in den Eisschollen — fallen mir Tausend Antworten auf ihre Frage ein. Und dann noch eine und noch eine. Man muss einfach nur hinsehen.

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Momentaufnahme, Krone

Der Wetterbericht verspricht einen heißen Tag. Nach einer langen Periode des Regens sind die Menschen ausgehungert nach Sonne, und so birst die Insel bereits ab Mittag unter Myriaden an Tagesgästen, zusätzlich zu all jenen Menschen, die einen längeren Urlaub auf Langeoog verbringen. 
Wiewohl sich das Laub der Bäume bereits herbstlich zu färben beginnt und kaum noch eine Heckenrosenblüte zwischen all den leuchtend roten Hagebutten dem Lauf der Dinge trotzt, so ist es doch spürbar Hochsaison auf der Insel.

An solchen Tagen findet man nur am frühen Morgen Frieden. Nicht so früh, dass einem die letzten bezechten Teenager am Strand entgegentorkeln, aber früh genug, dass sich der Schwall lärmender Schulklassen erst später die Dünenübergänge hinab und auf den Strand ergießt. In diesem kurzen Zeitfenster ist man allein mit der Schöpfung: Mit dem Rauschen der Brandung, dem Gluckern des Wassers in den Prielen, dem Gezänk der Möwen, dem sehnsüchtigen „Tüü-lüü“ der Rotschenkel. 
Irgendwo schlägt ein Hund an; dazu beruhigendes Gemurmel des Besitzers.
Ich lasse den Blick über die Weite schweifen, Baltrum im Morgendunst. Davor ein Frachter.
Es ist ein Königreich. 
Wir sind gekrönt von Gott, hieß es letztens in einer Andacht. Mit unserer Taufe erhielten wir diese Krone, wir mussten sie nicht erarbeiten, nicht erben, nicht mit Kriegen erstreiten, nicht durch Intrigen an uns reißen. Wir waren ihrer würdig, einfach so. Gott traut uns dieses Amt zu, jedem von uns, von Anfang an. 
Das ist ein schönes Bild, denke ich. Aber es bringt auch viel Verantwortung mit sich. Und es birgt Gefahren.

Über diesen Satz nachdenkend, wandere ich den noch menschenleeren Strand entlang. Schlick quillt zwischen meinen nackten Zehen hervor, danach folgt wieder trockener Sand. Ich passiere eine hübsche gestreifte Feder, ein Stück Müll, ein Büschel Algen. Ein Fender, den ein Schiff verloren hat, treibt heimatlos und grau im Priel.
Da, der Müll, denke ich. Passiert nicht genau das, wenn man suggeriert bekommt, man sei die Krone der Schöpfung? Neigt man dadurch nicht zu eben dieser „Nach-uns-die-Sintflut“-Haltung, zu Hochmut und Verschwendungsucht, schmeißt man nicht genau deswegen seinen Abfall in die Botanik, weil man meint, dass das eigene Leben dem von Krebsen, Algen, Möwen überlegen wäre, dass einem der Rest der Schöpfung untertan sei und man folglich darin wüten könne, wie man wolle?
 Aber das ist nicht königlich, denke ich weiter, zumindest nicht in meinem Verständnis von Königlichkeit.
Wir mögen diese Krone tragen, aber wir sollten sie mit Würde tragen, um nicht zu sagen: Mit Demut. Gerade, weil sie uns in solch bedingungslosem Vertrauen geschenkt wurde, und die ganze wunderbare Erde dazu, auf der wir leben und die uns nährt.

Ich bin froh, dass mir dieser Satz erst heute zur Reflektion gegeben wurde, wo ich ihn mit einer gewissen Reife (und einem Maß an Erfahrung im Scheitern) betrachten kann, und nicht etwa in Jahren juveniler Überheblichkeit. Hätte mich früher an der Königlichkeit nicht zuvörderst der Palast geblendet, der Schmuck, die prachtvollen Gewänder? 
Dabei liegt der eigentliche Schatz doch in dem, was man zunächst als Nachteil an einem hohen Amt begreifen könnte: In der Verantwortung, in der Fürsorgepflicht. Es ist keine Bürde, sich mit liebevoller Hingabe um das zu kümmern, was einem von Gott anvertraut wurde — Es ist ein Geschenk.

Erneut schweift mein Blick in die Weite, und ich weiß, dass ich diese Welt liebe, endlich zu lieben gelernt habe, nachdem mir das Leben so lange eine Last war — und ich so weit entfernt von allem: Von der Schöpfung, von mir selbst. 
Ich denke an die Zeit von Taufe und Konfirmation zurück und dass ich damals nicht in der Lage war, die mir angebotene Krone zu erkennen, anzunehmen und zu tragen. Ich hätte mich ihrer auch nicht für würdig befunden. 
Unter dem Flügelschlag eines sich in die Lüfte erhebenden Seevogels sprüht das Wasser wie fallende Juwelen. Das Licht der Morgensonne lässt die zitternde Wasseroberfläche des Priels aufgleißen.

Rührung überkommt mich: Gott, so weiß ich, hat meine Krone all die Jahre für mich aufgehoben. Bis ich ihren Wert erkannt habe und meinen eigenen dazu. 
Aber das tat ich nicht allein. Denn er schickte mir diesen Menschen, der sie mir wiederbeschaffte. Der seine schönen Gewänder raffte und durch den Schlick watete, um sie zu bringen; ohne Furcht, sich auf dem Weg zu mir dreckig zu machen. Der mir die Königlichkeit vorlebte, so, wie ich glaube, dass sie sich unser Schöpfer für uns Menschen gedacht hat: Mit Würde statt Hochmut. Mit der Absicht, Menschen im Glauben zu einen statt zu trennen. Und der mir zeigte, wie Kirche gemeint ist. 
Zitternd streckte ich meine Hände aus: ich würde wieder in die Kirche eintreten und die Krone tragen, und dabei nach bestem Bemühen aufrecht sein in Haltung, Worten und Taten: Denn wie sonst wollte ich verhindern, dass sie erneut herunterfiele?

Um mich herum erstrahlt nun der Morgen am Meer in voller Schönheit. 
Es ist unmöglich, vier Jahre hier zu leben und nicht wieder an Gott zu glauben, denke ich, tagtäglich umgeben von so viel Pracht, wie sie kein Mensch erschaffen könnte. 
Ich weiß nicht, ob ich der Sache dieses Mal gerecht werde, aber ich bin willens, es zu versuchen. Denn dieses Mal, denke ich, weiß ich zumindest eines sicher: Dass ich die uns Menschen als „Untertan“ anvertraute Schöpfung von Herzen liebe. Und dass es keine Schande für einen König ist, zu dienen.

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Momentaufnahme, Fernweh

Im Haus gegenüber sind die Lichter ausgegangen. Schwalben schießen durch den sich verdunkelnden Himmel, in den, von mir unbemerkt, die Dämmerung eingesackt ist, ohne dass ich mich nach dem Sonnenuntergang umgedreht hätte, während ich auf meinem nach Osten gerichteten Balkon saß und las.

Hinter dem Friedhof, vom Haus aus gerade noch in Sichtweite, ziert ein schmaler Streif Nadelbäume den Dünenrand. Dahinter erstreckt sich das Meer, das nun schwarz daläge in seiner nächtlichen Einsamkeit, blinkte nicht noch das Leuchtfeuer von Helgoland mit der schönen Regelmäßigkeit eines Herzschlags oder die Lichter der auf Reede liegenden Containerschiffe.
In den Kiefernzweigen plustern Wildtauben ihr Gefieder; ein Fasan sucht leise meckernd Deckung zwischen Moosen und Farn.

„Ich sähe so gern mal wieder Wald“ erzähle ich dem alten Nachbarn, den ich früher am Tage vor dem Blumengeschäft treffe, „einen richtigen Wald. Das fehlt mir.“ „Ja“, sagt der Mann, „schön sowas. Ich war gerade in Schweden, bei unserem Sohn, der lebt dort, da waren Bäume wie Fahnenmasten, wunderbar, sag ich dir, so hoch waren die.“ Er reckt die Finger bis in den Himmel und grinst in seinen schlohweißen Bart. „Nach Südtirol möchte ich gern“, erzähle ich weiter, „vielleicht im Herbst, aber ich weiß nicht recht, wegen des Geldes. Nachher ist irgendwas und dann hat man nichts mehr, weil man im Urlaub war, aber da soll es Lärchenwälder geben, tiefe Wälder, so weit, wie das Auge reicht.“ „Ach Jungchen“, sagt der Mann, der mich immer „Jungchen“ nennt, obwohl mich mittlerweile auch schon vier Jahrzehnte auf Erden versaut haben, und legt mir seine große, schwere Hand auf die Schulter, die in seinem Berufsleben bei der Handelsmarine schon Gottweißwas für Dinge geschleppt und zurechtgezurrt hat. Der Mann hat gearbeitet: So viel steht fest.

„Jungchen“, sagt er, „so war das ja früher, nech: Sparen, sparen, hieß das immer, dann haste. Später, dann haste. Aber was haste dann, und für was? Mitnehmen kannste doch nix am Ende, und ich hab noch keine Kiste gesehen, wo hinten ne Anhängerkupplung dran ist.“
„Ja“, sage ich, „das letzte Hemd hat keine Taschen, sagt auch mein Vater immer“, und ich muss lachen, weil wir beide mit unseren Fahrrädern vor dem Geschäft stehen, ein jeder mit einem Anhänger angekuppelt. Aus meinem ragen Geranien und ein Margaritenstämmchen, aus seinem eine Seilwinde mit ein paar Metern Stahltau. Aber er hat ja Recht: Auf unserem letzten Gang kommt das nicht mit, und kurz befällt mich deswegen Trauer. Es gibt so viele Sachen, die mir lieb sind, und die neu gekauften Blumen sind noch so schön und voller Leben.

„Ich bin froh, dass ich so viel gesehen habe, als ich jung war, jetzt kann ich ja nicht mehr so und will’s auch nicht. War zwar alles schön, aber weißt du, wenn Du nach Edinburgh reinfährst in den Hafen, dann siehst du die schönen weißen Felsen, und wenn du nah dran bist, sind die nur weiß vor Lummenscheiße, so ist das, nech.“

Der Mann ist ein Philosoph.

„Ich weiß, was du meinst“, sage ich, und kann nur einmal mehr die ostfriesische Sprachpräzison bewundern. „Aber fahr du mal hin“, fährt er fort, „ist bestimmt schön da. War ja auch schön in Schweden, die Bäume und die Eichhörnchen, überall Eichhörnchen, die haben wir hier ja auch nicht. Und mein Sohn, der hat es da auch gut, zufrieden ist er da, ja.“ Es schwingt etwas Trauer mit, als er das sagt. Es ist eben weit weg, und ich bin sehr froh, dass ich auch gerade noch einmal mit meinen Eltern im Urlaub war.
„Aber was ist denn mit dir, Jungchen, bist du denn zufrieden?“ „Aber ja“, sage ich, „mir geht es gut. Mir gefällt es hier, ist ja auch wunderschön, das Meer, die Dünen. Aber manchmal vermisse ich halt doch einen Wald.“

„Ich bleibe jetzt auch erstmal hier“, sagt der Mann, „muss ja auch nicht weg, wo ich doch Zeitung habe und das Internet. Aber wenn du da so liest, denkst du ja auch: Was soll ich denn hinterlassen, wofür, in so einer Welt.“ Ich nicke nachdenklich. „Hier“, präzisiert er, „dieser Trump“, und er rollt den Namen mit friesischem „R“, „was der schon wieder gemacht hat, diese Scheiße, und alle verärgert. Aber ich sag dir, noch einen Krieg, das brauch ich nicht, da bin ich ja doch froh, dass ich bald abtrete, noch einen Krieg, das brauch ich nicht.“
Recht hat der Mann, denke ich erneut, auch wenn das fatalistisch ist, und bin einmal mehr froh, dass ich keine Kinder habe, und niemandem, dem ich diese Scheiße erklären muss.

Und die Wälder, von denen ich träume: Wer weiß, wie lange die noch stehen. Da mag ein Baum viele Jahrhunderte von oben auf die Menschheit herabgesehen haben, in stoischer Gelassenheit, aber dann kommt die Kreissäge oder ein Gift in den Boden, und dann ist er dahin. Und man kann nur noch Särge draus bauen, mit oder ohne Kupplung.

Ich radele heim und pflanze meine Blumen. Farbtupfer in einer Welt, die sich bei näherer Betrachtung allzu oft in Grau und Moll geriert; ein schöner, weißer Fels, der bei näherem Hinsehen nichts anderes ist als ein Haufen Lummenscheiße, und das Schreien der Seetaucher entpuppt sich bei näherem Hinhören als Kakophonie von Krieg und geschundenen Seelen. Und doch ist die Welt es Wert, bereist zu werden, geliebt und gepflegt. Denn bringt diese eine Welt nicht auch alles zutage, was wir lieben? Fußt sie nicht auf dem einen, großartigen Plan eines liebenden Schöpfergottes? Die Welt ist nicht schlecht, nur weil wir sie zugrunde richten.

Am Strand spielen Kinder mit noch unverdorbener Begeisterung für die Wunder unseres Planeten. „Guck mal, Papa“, rufen sie, „wir haben den Quallen ein Hallenbad gebaut“. Der Vater verlässt seinen Liegeplatz und bewundert die rechteckig ausgehobene Grube. Die Kinder kippen mit ihren Eimern Meerwasser hinein; dazwischen treiben einige der durchsichtigen Gallerttiere, behutsam hineingesetzt wie Fische in ein Aquarium.

Ich mache mir nicht viel aus Kindern, aber hier muss ich doch lächeln, weil mich die Szene als Beobachter rührt, und ich frage mich wehmütig, wie lang es wohl dauern wird, bis jemand den Kindern sagt, dass Quallen das Ungeziefer des Meeres sind, unwürdig eines eigenen Wellnessbereiches. Wie lange es dauert, bis sie aufhören, die Quallen zu mögen.

Ich muss nicht lange warten. Ein paar Meter weiter wird eine Qualle von der Schaufel eines anderen Kindes in Stücke gehackt.

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